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KI-gestützte Krisenkommunikation für Kinder und Jugendliche
Das Projekt KRIKO-BE untersucht die speziellen Kommunikationsbedürfnisse von Kindern und Jugendlichen in Krisensituationen und führt dazu bisher getrennte Forschungsbereiche zusammen.
06.07.2026

Der Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) zur Krisenbewältigung, die Kommunikationsbedarfe in Krisensituationen sowie der Schutz von Kindern in Notlagen – das alles wird bisher oft getrennt voneinander betrachtet und erforscht. Nach den großflächigen Berliner Stromausfällen im letzten und diesem Jahr versucht das Projekt KRIKO-BE, diese drei Bereiche zusammen zu führen. Das an der HWR angesiedelte Teilvorhaben widmet sich Kindern und Jugendlichen als besonders vulnerable Gruppe in Krisensituationen.
In einem interdisziplinären Team untersuchen die Soziologin Prof. Dr. habil. Caterina Rohde-Abuba und der Wirtschaftsinformatiker Prof. Dr. Sebastian Fischer die Gestaltungsanforderungen an KI-gestützte Kommunikationssysteme. Zusammen mit fünf wissenschaftlichen Mitarbeitenden ermitteln sie die besonderen Schutzbedarfe von Kindern und Jugendlichen im Krisenfall über den gesamten Krisenzyklus hinweg – vor, während und nach einem Blackout. Auf der Grundlage ihrer Daten und Analysen werden sie konkrete Governance-Empfehlungen für das Design und den Umgang mit einer sozial inklusiven und rechtebasierten Technologie abgeben, die im Rahmen des IFAF-Verbundprojekts „KRIKO-BE“ entwickelt werden soll. Zudem sollen konkrete Handlungsempfehlungen für Governance-Akteur:innen aus Politik, Verwaltung und Katastrophenschutz ausgearbeitet werden, welche dabei helfen, die Kinderrechtsperspektiven und KI-bezogene Anforderungen in operative Verfahren und regulatorische Ansätze zu integrieren. Der partizipative Forschungsansatz des Teilprojekts an der HWR Berlin steht im Einklang mit internationalen Kinderrechtsrahmen (UNICEF Innocenti 2025) und soll dazu beitragen, die gelebten Erfahrungen junger Menschen in Kommunikations- und Regierungsführungskonzepte zu übersetzen, die technologisch umsetzbar, sozial inklusiv und an den Realitäten von Krisensituationen ausgerichtet sind.
Neuere Studien zum Einsatz KI-gestützter Informations- und Konversationssysteme in der Gesundheitsversorgung, im Bildungssektor und der öffentlichen Kommunikation weisen darauf hin, dass Kinder und Jugendliche eine eigenständige Nutzergruppe darstellen, deren Informationsbedarfe sich von denen Erwachsener deutlich unterscheiden. Da sich kognitive Fähigkeiten, Risikowahrnehmung und kritisches Informationsverhalten bei Kindern noch in der Entwicklung befinden, sind sie besonders anfällig dafür, KI-generierten Inhalten unkritisch zu vertrauen. Außerdem können sie im Regelfall keine vollständig informierte Einwilligung geben und nutzen digitale Technologien häufig auf unvorhersehbare Weise.
Die Katastrophen- und Krisenforschung befasst sich dagegen bisher vornehmlich mit den Erfahrungen und Bedarfen anderer vulnerabler Gruppen, etwa älterer Menschen oder von Personen mit Pflegebedarf. Für Minderjährige ergibt sich jedoch eine besondere Schutzbedürftigkeit in Krisenlagen, da sie die Auswirkungen von Stromausfällen durch sich überlagernde Ungleichheiten erheblich stärker treffen. In solchen Situationen kann der Zugang zu verlässlichen Informationen und eine effektive Kommunikation das Verhalten der Betroffenen, ihre Bewältigungs- und Erholungsprozesse maßgeblich beeinflussen.
Der Mehrwert eines KI-Systems im Krisenkontext liegt aber nicht allein in der Unterstützung von Kommunikationsprozessen zur unmittelbaren Krisenbewältigung, sondern auch in der Stärkung präventiver Vorsorge: KI-gestützte Kommunikationswerkzeuge könnten möglicherweise die Bekanntheit verlässlicher Informationsquellen fördern und Maßnahmen zur Resilienzstärkung unterstützen, bevor infrastrukturelle Störungen eintreten.